Schon zu Zeiten Karls des Großen,

 

im 9. Jahrhundert, soll dem Erzbischof Ansgar von Hamburg in Nortorf ein großes Kirchspiel gegründet worden sein, das wahrscheinlich schon 950 eine Kapelle zum Beten und Predigen besaß, in der aber die Verwaltung von Sakramenten nicht gestattet war. Eine genauere Datierung ist erst aufgrund der um 1190 verfaßten "Visio Godeschalcii" möglich. In ihr wird das Kirchspiel Nortorf erstmals mit einer Begebenheit erwähnt, die allerdings kaum historische Realität besitzt. Danach sind um 1164 die als Reliquie in der Kirche bewahrten Gebeine des heiligen Martin, der auch Namensgeber der Kirche war, von einer slawischen Bande, den Bakariden, geraubt und 1189 gegen eine hohe Summe zurückgegeben worden.

Es wird angenommen, daß die erste Nortorfer Kirche um 1150 gegründet wurde, als Heinrich der Löwe nach Unterwerfung Dithmarschens durch Nortorf kam. Zur Festigung des Christentums gegenüber den Wenden könnte er die Errichtung einer Tochterkirche von Schenefeld gemeinsam mit dem Bischof von Hamburg veranlaßt haben.

Eine neue Kirche stammt vermutlich aus der Zeit um 1300, da sie in ihrem Grundriß den damaligen Landeskirchen glich. Vorher hatte es lediglich Kapellen gegeben. Bis 1440 unterstand das Kirchspiel Nortorf dem Dompropst von Hamburg, der dann die Patronatsrechte an das Kloster Itzehoe übertrug. Das Innere der Kirche brannte 1527/28 völlig aus; der Wiederaufbau stieß wegen der schlechten Finanzlage des Klosters auf große Schwierigkeiten.

Die Reformation begann in Nortorf mit der Einsetzung des Pastors Johann Acken. Voran ging ein Streit zwischen dem der alten Glaubensrichtung anhängenden Kloster Itzehoe und der Gemeinde Nortorf, die die Reformation wünschte. Hier waren die Zeiten der konfessionellen Umsetzung sehr turbulent, und es heißt, man habe den altgläubigen Pfarrer täglich geprügelt und von Haus zu Haus gejagt. In diese Zeit fällt auch ein Prozeß gegen den Juraten Marquard Vaget (siehe Kirchengemeinde Aukrug), der sich an Kirchengut bereichert hatte. An diesem Fall wird deutlich, wie sehr Fürsten, Edelleute, Bürger und Bauern versuchten, aus den ungewissen Zelten des Übergangs ihren Nutzen zu ziehen.

Samuel Meigerius (1532-1610), Sohn des Rendsburger Pastors an St.Marien Johann Meyer, kam 1555 als Pastor an die St.Martinskirche in Nortorf. Er wurde als Schriftsteller zweier Werke bekannt, die ihn in seiner Zelt als Gelehrten berühmt machten. Die erste Schrift wendet sich mit aller Schärfe gegen den weitverbreiteten Hexen- und Teufelswahn, der in jener Zelt zu den grauenvollen Verbrennungen vieler Frauen auf dem Scheiterhaufen führte.

In seinem zweiten Werk hat er Beiträge von etwa 300 Autoren in einem 10 cm starken Folianten gesammelt, der sich heute noch gut erhalten im Archiv der Stadt Nortorf befindet. Die darin enthaltenen Beiträge befassen sich mit religiösen, ethischen, weltlichen und historischen Themen aus aller Herren Länder.

In der Nortorfer Kirche hielt sich 1559 der König von Dänemark mit den verbündeten Herzögen auf, um mit ihnen den Angriff auf Dithmarschen vorzubereiten. Auch plante im alten Pastorat von Nortorf der preußische Kronprinz Friedrich, der spätere Kaiser Friedrich III., 1864 im Krieg gegen Dänemark die Einnahme der Düppeler Schanzen.

Die Gemeinde Nortorf und ihre Kirche haben im Schwedenkrieg 1643 bis 1645 stark gelitten. So wurde u.a. das silberne Kirchensiegel gestohlen. Der Kirchturm ist 1660 vom Sturm umgeweht und erst 1678 wiederaufgebaut worden. Außerdem wurde er in der Zeit von 1707 bis 1783 dreimal vom Blitz getroffen. Die baulich schon sehr mitgenommene Kirche erlitt in den Kriegswirren von 1813 erneut schwere Beschädigungen. Zunächst stellte man requirierte Kühe in der Kapelle unter, die seitdem den Beinamen "Der Kuhstall" führt. Nach der Schlacht bei Sehestedt diente die Kirche als Lazarett für Verwundete, wobei bis auf Altar, Kanzel und Orgel alles zerstört wurde. Die Wiederherstellung zog sich wegen Geldmangels über sieben Jahre von 1814 bis 1821 hin. Im Jahre 1871 entschloß man sich, das alte Kirchengebäude abzureißen und ein neues zu errichten.

Die heutige, am 15.10.1873 eingeweihte, Kirche im Zentrum von Nortorf hat J.B. Heyn aus Hamburg als dreischiffige neugotische Backsteinhallenkirche mit einem teils aus Granitquadern bestehenden Westturm aufgeführt. Der Altar von 1857 und die reichverzierte von M. Lucas in Husum gegossene Taufe sind aus der alten Kirche übernommen worden.

Die Gemeinde ist in vier Bezirke aufgeteilt und verfügt über ebenso viele Pfarrstellen. Als Gemeindehaus erwarb sie zunächst 1911 ein ehemaliges Schulgebäude, dessen Räume aber in der heutigen Zeit für die Jugend- und Gemeindearbeit nicht mehr ausreichten. Da sich das Gebäude schon in einem baulich recht schlechten Zustand befand, wurde 1966 ein neues Gemeindehaus geplant, das am 14.3.1971 als "Markushaus" eingeweiht werden konnte. Diese Begegnungsstätte hat sich im Laufe der Zeit mit ihren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten gut bewährt.

Ursprünglich lag der Friedhof, auf dem 700 Jahre lang die Toten des 28 Dörfer umfassenden Kirchspiels bestattet wurden, unmittelbar an der Kirche. Am Kirchhof stand 1759 noch ein Schandpfahl mit Halseisen, an dem während der Kirchzeit die Holzdiebe angekettet wurden, während einige Stücke Holz daneben lagen. Wegen Platzmangels mußte 1845 ein neuer Friedhof hinter dem Garten des ehemaligen Kindergartens und Schwesternhauses eingerichtet werden, der mit seinen kreuzweise angelegten Lindenalleen, von Bäumen umstanden, einen besonders schönen Eindruck hinterläßt. Er mußte mehrmals erweitert werden, bis 1912 ein neuer Friedhof an der Jahnstraße angelegt wurde. Die Friedhofskapelle in Feldstein wurde 1948/49 erbaut und 1973 abgerissen. Die Einweihung der neuen Friedhofskapelle fand am 19.1.1975 statt. Die Dörfer Groß Vollstedt, Langwedel, Timmaspe, Krogaspe und Gnutz besitzen eigene Kommunalfriedhöfe.

Der große Umfang der Kirchengemeinde machte es notwendig, in Groß Vollstedt und Langwedel Kapellen zu errichten. Die Gemeinde Groß Vollstedt stellte hierfür Land zur Verfügung, so daß der von den Architekten Barbara und Wolfgang Vogt aufgeführte Bau, der über eine Leichenkammer verfügt, am 12.10.1958 von Bischof D. Halfmann eingeweiht werden konnte. Die Kapelle erhielt 1983 zum 25jährigen Bestehen den Namen "Zum guten Hirten". Im Jahre 1959 beschloß die Gemeinde den Bau eines freistehenden 17 m hohen Glockenstuhls.

Propst Krüger setzte sich für die Errichtung einer Kapelle in Langwedel ein, und auch sein Nachfolger Propst Diederichsen hat das Vorhaben sehr unterstützt. Auf einem von der Gemeinde Langwedel der Kirchengemeinde Nortorf übereigneten Grundstücks konnte der nach einem Entwurf des Hamburger Architekten Johannsen errichtete Bau mit Leichenkammer am 15.10.1967 eingeweiht werden. Er erhielt 1985 den Namen "Paul-Gerhardt-Kapelle".